Hurra, hurra, das E-Rezept ist da!

Digitale Transformation

Von vielen IT-begeisterten Menschen lange ersehnt, ist es endlich da: das E-Rezept ist zum 01. September in allen Apotheken in Deutschland verpflichtend eingeführt worden. Damit steht der digitale Wandel im Apothekenbereich vor der Tür. Wirklich? Nein, nicht wirklich. Denn obwohl die Testphase für das E-Rezept „erfolgreich“ war, haben wir bei uns noch kein einziges Exemplar dieses scheuen Tiers gesehen. Und so geht es vielen Kolleginnen und Kollegen in den deutschen Aptoheken.

Das liegt daran, dass bei uns in der Region wohl keine Arztpraxis besonders begeistert von der neuen Technik ist. Ich kann nur vermuten warum das so ist und denke, dass ein Grund der mangelnde Vorteil ist. Das E-Rezept ist ähnlich wie die LKW-Maut eine typisch deutsche Entwicklung. Es musste hochsicher sein, deshalb brauchen Arztpraxen und Apotheken spezielle, teure Hardware, die sie ins sichere Netz der Telematik verbindet sowie besondere Ausweise für Praxis und Personal. Und auch die Patienten brauchen eine spezielle Gesundheitskarte inkl. mindestens einer PIN und Nahfeld-Kommunikation. Ärzte und Apotheken mussten sich also rüsten, die Krankenkassen haben aber die notwendigen Karten zum großen Teil noch gar nicht ausgegeben. Und wenn, dann fehlt dem Verischerten die passende PIN.

Und deshalb muss das E-Rezept im Moment -man glaubt es kaum- auf Papier ausgedruckt werden. Klar gibt es eine spezielle E-Rezept-App. Diese ist aber auf Grund der nicht vorhandenen elektronischen Gesundheitskarten für kaum jemanden nutzbar. Und damit geht es eben nicht telefonisch ein Rezept in der Praxis zu bestellen, es von Zauberhand auf sein Handy übertragen zu bekommen und dann ebenfalls online bei der Apotheke der Wahl einzulösen. Deshalb bleibt im Moment nur der Papierweg. Und damit ist der Vorteil für alle Beteiligten dahin. Denn wenn das Rezept dann doch ausgedruck werden muss, muss man es als Patient in der Praxis abholen. Immerhin kann man den Code, der auf dem Papier gedruckt ist, direkt an die Apotheke seiner Wahl schicken. Das geht entweder über unsere Homepage oder eben über die erwähnte E-Rezept-App.

Außerdem wurde das E-Rezept nicht bundesweit, sondern zunächst nur in zwei Bundesländern, tatsächlich eingeführt. Bis wir das erste Rezept dieser neuen Art also wirklich sehen werden, geht sicherlich noch einige Zeit ins Land. Und wenn wir dann etwas länger brauchen um Ihre Arzneimittel zu richten bitten wir um Nachsicht. Eine Möglichkeit die neuen Abläufe zu üben hatten wir nämlich nicht. Langfristig freuen wir uns aber auf die neuen Möglichkeiten, die sich durch das E-Rezept ergeben könnten. Sei es, dass weniger falsch ausgestellte Rezepte bei uns landen oder auch, dass Sie als Patient ihr Rezept schneller erhalten als bisher.